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Was isst man in Togo? 08/03

Was isst man in Togo? vom 14. August 2003
Alle Bilder auf dieser Seite können durch anklicken vergrössert werden und sind mit einer kurzen Beschreibung versehen.

Liebe Freunde,

hoffe es geht Euch allen gut. Nachdem ich ja bereits über das Trinken in Togo schrieb, soll es heute ums Essen gehen. Essen ist in jeder Region der Erde nicht nur eine der wichtigsten Notwendigkeiten, sondern im Allgemeinen auch das soziale Ereignis des Alltages. Die Familie sitzt nach einem langen Arbeitstag bei einer Mahlzeit zusammen, tauscht sich aus, lacht oder ärgert sich gemeinsam, bespricht Probleme und plant den nächsten Tag. Ähnliches findet sich nicht nur bei uns, sondern bei allen Völkern – es werden lediglich verschiedene Gerichte verspeist. Was essen also die Togoer?
Üblicherweise werden in Togo 2-3 Mahlzeiten eingenommen. Zum Frühstück (man steht hier bereits um 4.30 Uhr auf) gibt es oftmals einen dickflüssigen, leicht bitteren Brei aus Hirse oder Mais, Bouillie genannt. Um die Mittagszeit isst man eine Kleinigkeit bei einer der vielen Bonne Femmes, das sind Frauen die mit Ihrem kleinen Holzkohlengrill an jeder Straßenecke zu finden sind. Hier kann man für 30 bis 60 Cent Gerichte essen, welche es auch am Abend gibt, oder man isst gegrillte Maiskolben oder Kochbananen. Gegessen wird übrigens direkt mit der Hand.
Am Abend gibt es dann die traditionelle Hauptmahlzeit, welche von den Frauen auf Holzkohle zubereitet wird. Am beliebtesten sind Fufu und Pate mit einer Gemüse-, Fleisch- oder Fischsoße. Fufu wird aus der riesigen bis zu 90 cm langen und 15cm im Durchmesser großen Ingjam-Knolle zubereitet. Die Knolle wird zerkleinert und gekocht, anschließend in einem wassereimergroßen Hartholzmörser mit langen Stampfern, von bis zu 5 Frauen gleichzeitig, zu einem festen Brei durchgewalkt. Hieraus wird dann das Fufu, ein Klos, geformt. Der Geschmack ist nicht sehr ausgeprägt. Die Ingjam-Knolle gleicht von Konsistenz und Geschmack in etwa der Kartoffel. Auch lassen sich daraus alle Gerichte herstellen, welche wir von unserer Kartoffel kennen. Koliko etwa (Pommes Frites) sind sehr lecker. Pate ist auch ein Klos und wird aus Maismehl oder Hirse hergestellt. Wer schon einmal in Tirol Polenta gegessen hat, kann sich Pate als ähnlich vorstellen. Dazu werden Soßen zubereitet, mit z.B. Erdnuss oder Tomate als Grundzutat, und in welchen Fisch oder Huhn, Rindfleisch oder das sehr begehrte Agouti-Fleisch (ein kleines dachsartiges Wildtier) mitgekocht wird. Meist gibt es jedoch Gemüsesoßen, da Fleisch für die meisten Menschen zu teuer ist. In Togo werden auch Innereien gegessen, man muss also genau nachschauen, was man auf dem Teller hat! Geht man am Abend in eine der kleinen Straßenbars, so kann man dort leckere Brochettes (ähnlich wie ein Schaschlik) mit Koliko oder frittierten Kochbananen essen. Mein afrikanisches Lieblingsessen ist Redred: Gekochte Bohnen mit einer Soße aus Palmöl und Zwiebeln. Dazu isst man frittierte Kochbananen und bestreut das ganze mit getrocknetem und geriebenem Maniok (etwas kleinere Knolle als Ingjam). Zu allen Speisen isst man Pilli-Pilli, klein gehackte feuerscharfe Pfefferschoten. Scharfes Essen ist sehr beliebt und hat noch den Nebeneffekt antibiotisch zuwirken – bei den oft mangelhaften hygienischen Verhältnissen nicht unwichtig.
Alles in allem ist die schmackhafte togoische Küche nicht so Variantenreich wie die Europäische und auch die Einstellung zum Essen ist eine Andere. Während man in Europa das Essen doch sehr gerne genießt und auch das Auge mit isst, ist es den Togoern am wichtigsten, dass sich nach der Mahlzeit ein ausgeprägtes Völlegefühl einstellt. Dann war das Essen gut.
Als ich vor einer Weile zu einem Nachbarn auf eine Feierlichkeit eingeladen wurde, war ich natürlich der Ehrengast. Die Frauen des Hauses hatten Fufu und Pate zubereitet sowie eine Ziege geschlachtet, aus welcher in einem großen Topf Soße gekocht wurde. Der Hausherr teilte sich mit mir das Ehrenstück – den Ziegenkopf. Man hatte uns schon während der Vorbereitung auf den Einsatz mit dem DED, von der Möglichkeit solcher Situationen berichtet. Um nicht unhöflich zu sein, aß ich unter dem anklagenden blinzeln des noch an Ort und Stelle verbliebenen Ziegenauges ein Stück der Backe und hatte mich so, trotzdem ich nicht alles auf aß, gut aus der Affäre gezogen.
Bei mir zu Hause wird eher europäisch gekocht und wenn mir mal wieder der Sinn steht, besuche ich Bruno den Schweizer. Der hat in Kpalimé ein Restaurant eröffnet in dem man leckere Rösti, Kottelet oder sogar eine Leberknödelsuppe bekommt. Außerdem kommen immer wieder Carepakete von meiner Familie an, in welcher sich die so lebenswichtige Waldecker Wurst befindet.

Mir geht es hier gut und ich sende Euch allen

liebe Grüße

 
Togomas

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